Immer häufiger beschweren sich die Erwachsenen über untätige Jugendliche, die einfach keine Lust haben, sich eine Ausbildung oder einen Job zu suchen und lieber zu Hause bleiben bei Hotel-Mama oder direkt ins Hartz-4-Modell rutschen.

Natürlich ist das keine ideale Herangehensweise und wir sind erpicht darauf, dass unsere Sprösslinge sich eine gute Zukunft aufbauen können, allerdings kann ich die Jugend sehr gut verstehen und nachvollziehen, wieso diese die Lust am Arbeiten verloren haben.

Die Gründe treffen natürlich nicht auf jeden zu, denn es gibt immer Menschen, die einfach nur zu faul sind oder wirklich keine Lust haben, für Geld aufzustehen, wenn sie dieses auch vom Staat beziehen können. Wir reden hier also nur von den Jugendlichen, die eigentlich nicht faul sind, sondern einen triftigen Grund haben.

Ein häufiger Grund ist leider, dass die Jugend zu wenig Möglichkeiten hat, sich zu überlegen, welchen Beruf sie anstreben möchten und wie sie sich drauf vorbereiten können. Die Schulpraktika werden immer kürzer und zunehmend seltener. Die Vorbereitungszeit darauf ist ebenfalls längst nicht mehr ausreichend, sodass einige Jugendliche gezwungen sind, das Praktikum bei der nächst besten freien Stelle zu absolvieren, anstatt bei einem Betrieb und Beruf, für den man sich interessiert. Alleine durch Unterrichtsfächer wie Deutsch, Mathe und Englisch, bekommen die Jugendlichen keine direkte Vorstellung vom Arbeitsalltag. Einige Schulen sorgen mit Berufsfindungstests vor und unterstützen die jungen Leute dabei, dennoch sollte es allgemein in der Schule auch ein Unterrichtsfach geben, welches zur Berufsvorbereitung einen wichtigen Beitrag leistet, wie beispielsweise das Üben von Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgesprächen.

Noch ein möglicher Grund ist die Arbeitslosigkeit der Eltern. Zum einen natürlich, da dies ein schlechtes Vorbild sein kann, wenn die Eltern selbst eventuell keinen Beruf erlernt haben und auch nicht arbeiten wollen, aber zum anderen auch deshalb, da man als Kind von arbeitslosen Eltern, die Hartz-4 beziehen, in der Falle sitzt. Man kann keinen Führerschein machen, da man das Geld nicht an die Seite legen kann, geschweige denn überhaupt ein Bankkonto mit Guthaben führen. Man darf keinen Nebenjob über 100,00 Euro im Monat, bzw. 1.200 Euro im Jahr, annehmen, da sonst Bezüge bei den Eltern gekürzt werden und sollten die Eltern beim Jobcenter sein, dann bekommt man keine Unterstützung bei der Ausbildungsstellen-Suche von der Arbeitsagentur, da diese dann nicht zuständig sind. Solange man noch zu Hause wohnt, zählt man zur sogenannten Bedarfsgemeinschaft und ein mögliches Ausbildungsgehalt oder der Nebenjobverdienst wird automatisch angerechnet und die Bezüge dementsprechend gekürzt. Das heißt für die Jugendlichen, dass man ihnen direkt das hart erarbeitete Geld wegnimmt. Wie sollen sie sich denn dann von ihren Eltern ablösen können? Wie soll ihnen das Arbeiten denn dann ein besseres Leben ermöglichen. Wie soll ihnen dieser Umgang denn Lust auf das Arbeitsleben bringen?

Und der traurigste Grund ist wohl, dass die Vergütung in etlichen Berufen grade einmal knapp über dem durchschnittlichen  Arbeitslosengeld liegt, weshalb es für viele Jugendliche unattraktiv wird, sich überhaupt um einen Job zu bemühen. Wer steht schon gerne jeden morgen früh auf und arbeitet fast 50 Stunden in der Woche, nur um 5 Euro mehr zu haben als der Nachbar, der sich jeden Tag auf seiner Terrasse sonnen kann. In einigen Berufen verdient man mittlerweile nicht einmal mehr genug, um eine dreiköpfige Familie ernähren zu können. Darum arbeiten immer häufiger beide Elternteile, damit diese zumindest die Fixkosten abdecken können. Nicht selten verdienen die kleinen Influencer bei Instagram schon mehr als unsere hart arbeitenden Pflegekräfte. Arbeiten wird für unsere Jugend nicht grade ansprechend vermarktet.

Hier darf sich in Deutschland gerne noch ganz viel ändern. Wir müssen die Jugend stärken, unterstützen und leiten. Ihnen Steine in den Weg zu legen mag Sie eventuell klüger, reifer und erfahrener machen, jedoch nur bis zu einer gewissen Grenze. Nachwuchskräfte fehlen an allen Ecken und Enden. Geben wir ihnen doch die Chance, sich frei zu entfalten und eventuell auch unabhängiger zu werden, damit wir die Arbeitslosenrate weiter senken können und die Menschen der Zukunft auch wieder gerne ihre Arbeit verrichten.