Da hat man es so langsam mit der Schule endlich hinter sich und freut sich auf ein neues Terrain, da muss man auch gleich die ersten Niederlagen einstecken.

Wer hat sich nicht während der letzten Schultage voller Enthusiasmus ans Bewerbungsschreiben für die erste Ausbildungsstelle gesetzt?
Und dann steht man erstmal da, wie bestellt und nicht abgeholt, da man ja nie richtig gelernt hat, Bewerbungen zu schreiben.
In manchen Schulen gab es Projekttage, an denen extra ein Bewerbungstrainer gute Tipps gegeben hat und an einigen Schulen gab es so etwas nicht.

Das tollste für mich war damals, dass meine Eltern Hartz IV bekommen haben und man als Kind dann auch automatisch beim JobCenter registriert ist. In unserer Schule gab es extra von der Bundesagentur für Arbeit eine Ausbildungshelferin, die uns einige erste Ausbildungsplätze vermitteln konnte. Ich bin natürlich damals direkt hin und wollte mich auch beraten lassen, da hieß es nach der Datenerfassung zu meiner Person plötzlich: „Oh, wie ich sehe sind Ihre Eltern beim JobCenter registriert, dann ist es uns leider untersagt, Ihnen weiter zu helfen. Da muss Ihnen dann das JobCenter weiter helfen!“. Ähhh…hallo??? Ich war wirklich fassungslos und dachte mir nur, Deutschland, was soll das? Hier beginnt also bereits der unfaire Weg: von wegen „Chancengleichheit“!

So sitzt man dann als junger Mensch da, bemüht sich nach allen Kräften, etwas vernüftiges auf’s Papier zu bringen und sieht dann plötzlich alle möglichen Ausbildungsberufe. Diese klingen sogar teilweise gleich. Für welche Richtung legt man sich nun also fest? Was ist klug und bringt mir später eventuell gute Karrierechancen? Aber möchte ich diesen Beruf denn überhaupt so lange machen?

Für mich stand damals fest, ich möchte gerne etwas mit Schreibarbeit und Kundenkontakt. Irgendwas im Büro, aber mit wenig Mathe 😉
So musste ich eine weile suchen und recherchieren, ehe ich die „Ausbildung als Kauffrau für Bürokommunikation“ für mich gefunden hatte. So schrieb ich meine ersten Bewerbungen. Erst fünf, dann zehn, dann fünfzehn. Manchmal bekam man eine Absage: „Wir bedauern sehr Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben…“, daraufhin hieß es dann, noch mehr Bewerbungen abschicken.

Nach meiner 25. Bewerbung hatte ich die ersten Vorstellungsgespräche. Für einige musste man in die Hauptzentrale, die 90 km entfernt lag fahren (natürlich ohne Kostenerstattung), nur um dann zu erfahren, dass für die gewünschte Filiale zur Zeit gar nicht gesucht werde. Hinzu kommt dann auch noch, dass man ja als Schülerin so unendlich viel Zeit für die Vorstellungsgespräche zur Verfügung hatte (natürlich nicht!).

Ich glaube, es waren an die vierzig bis fünfzig Bewerbungen, die ich insgesamt geschrieben hatte, ehe ich nach einem Vorstellungsgespräch eine positive Rückmeldung bekam: „Wir würden Sie gerne in unserem Unternehmen als Auszubildende begrüßen wollen“ (puhh, wurde ja auch mal Zeit).

An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich ein durchschnittlich gutes Zeugnis hatte und das als Gymnasiastin! Hat mir in der Hinsicht erstmal noch keine Türen geöffnet.

Ob dies etwa damals schon der 1. Schritt in die falsche Richtung war?