Eigentlich ist es ein absolutes „No-Go“ von seinen Mitarbeitern zu erwarten, dass diese ihre privaten Gegenstände für die Arbeit nutzen, auch wenn viele natürlich ihr privates Handy, Tablet oder den Computer aus Bequemlichkeit und der teils leider besseren Leistung lieber nutzen, als die betagten und  alten Geräte des Arbeitgebers.
In einigen Situationen ist dies auch gar nicht anders möglich, wenn man von seinem Arbeitgeber kein brauchbares Notebook bekommt, um seine Berufsschulaufgaben oder Testprojekte zu erledigen (so geschehen bei meinem Ehemann in der Ausbildung zum Fachinformatiker).

Besonders zu der heutigen Zeit, in der immer öfter die Möglichkeit von Home-Office-Tagen gefragt ist, setzen die Arbeitgeber oft voraus, dass man seine eigenen Geräte nutzt („Bring Your Own Device“). Meistens ist dies auch machbar oder lässt sich durch bestimmte Vertragsvereinbarungen regeln, damit eben trotz privater und beruflicher Nutzung die Daten auf den Geräten geschützt bleiben und geregelt ist, wer haftet, wenn etwas kaputt geht. 

Allerdings gibt es eine Sache, die man sich wirklich vorab zweimal überlegen muss:

Sollte man sein privates Fahrzeug im Arbeitsalltag für arbeitsbedingte Fahrten, z. B. zum Kunden, nutzen?

 

Folgende Punkte sollte man sich erst einmal genauer ansehen, ehe man hier eine voreilige Entscheidung trifft:

Erhalte ich eine Vergütung?

Ohne eine entsprechende Entschädigung sollte man sein privates Fahrzeug nicht für Fahrten, die der Arbeit dienen, bereitstellen. Zumindest die vorgegebenen 30 Cent km-Pauschale pro Kilometer sollte man vom Arbeitgeber verlangen, und zwar nicht nur für die einfache Strecke, wie sie das Finanzamt für die Pendlerpauschale vorsieht, sondern für die gesamten gefahrenen Kilometer! Auch Parkgebühren sollte der Arbeitgeber zahlen, da man dies ja nicht zu seinem Vergnügen macht, sondern weil es eben nötig ist, um das Auto ordnungsgemäß abstellen zu können. Natürlich nur gegen Vorlage der Quittungen!

Hier habe ich bereits haarsträubende Geschichten gehört, von Arbeitgebern die erst ab dem 31. Kilometer die Pauschale übernehmen und auch von Arbeitgebern die lediglich die Fahrtkosten erstatten aber die Fahrtzeit nicht als Arbeitszeit vergüten! Dies ist noch ein Thema für sich, aber natürlich kann der Arbeitgeber Fahrten zu Kunden, insbesondere dann wenn es nicht die erste Fahrt des Tages ist, als Arbeitszeit einfach unter den Tisch fallen lassen. Sofern keine abweichenden Regelungen getroffen wurden, sollte diese mit dem normalen Stundenlohn vergütet werden müssen.

Tipp: Vor Fahrtbeginn den aktuellen Kilometerstand abfotografieren und ebenfalls, wenn man wieder an der Firma ankommt. Die Differenz dann komplett beim Arbeitgeber geltend machen. Denn hier gilt nicht nur die einfache Strecke, wie in der Steuererklärung, sondern die gesamten zurückgelegten Kilometer! Diese sollte man sich mit mindestens 30 Cent pro Kilometer bezahlen lassen. Zusätzlich auch alle Parktickets und Parkquittungen aufbewahren, um diese ebenfalls dem Arbeitgeber in Rechnung zu stellen.

 

Persönliche Erfahrungen

Mal eben zur Post fahren und ein Paket wegbringen?
Als ich noch kein eigenes Auto, sowie keinen Führerschein hatte und nur mit dem Fahrrad zu einem früheren Arbeitgeber gefahren bin, gab es dort doch wirklich einen Vorgesetzten, der sich dementsprechend geäußert hat, dass die Angestellten sich halt ein Auto anschaffen sollten, wenn man es nicht schafft, eben mal ein paar Pakete für den Arbeitgeber mit dem Fahrrad zur Post zu fahren.
Zum Glück habe ich mit dem Arbeitgeber heute nichts mehr zu tun.

Rechtliche Probleme

Gerade bei kleineren Pflegebetrieben war es bei Verwandten, die dort arbeiteten, komischerweise gängige Praxis, das Personal mit eigenen Fahrzeugen zu den Kunden fahren zu lassen. Teilweise sollten die zu pflegenden Kunden sogar von den Mitarbeitern „rumkutschiert“ werden, was noch viel problematischer ist, da dies eigentlich eine Bescheinigung zur Beförderung von anderen Personen nötig macht (zum Vergleich kann man hier nach den Streitigkeiten mit dem US-Unternehmen Uber schauen). Ganz davon abgesehen, dass wahrscheinlich keine Insassenversicherung vorhanden ist und es fragwürdig ist, ob die eigene Kfz-Haftpflicht im Falle eines Unfalls dafür aufkommt, wenn man regelmäßig Kunden des Arbeitgebers herumkutschiert. Hier wird vermutlich oben drauf noch die gewerbliche Nutzung des Fahrzeugs unterstellt, welche meistens zusätzlich versichert werden müsste.

Insbesondere im letzten Beispiel sollte sich vor allem aber der Arbeitgeber fragen, ob es nicht höchst unseriös wirkt, wenn die Mitarbeiter den Kunden im Privat-PKW abholen kommen? Wenn nicht einmal ein paar hundert Euro für das Leasing von günstigen Firmenfahrzeugen vorhanden sind, dann sollte man vielleicht die Geschäftsfähigkeit und Tragfähigkeit des Betriebes in Frage stellen.

 

Wie sieht es eigentlich aus, wenn das Auto zwingend für die Arbeit benötigt wird und dann kaputt geht?

Theoretisch kann der Arbeitgeber ja nicht verlangen, dass man sein privates Auto reparieren lässt oder sich ein neues kauft, um damit für den Arbeitgeber herumzufahren. Vermutlich zumindest dann nicht, wenn die Nutzung des Privatfahrzeuges nicht vertraglich geregelt ist. Insbesondere dann, wenn man z. B. zur Hauptzentrale des Arbeitgebers nur ein paar Minuten Fußweg hat oder sich einfach umweltbewusst entscheidet, privat nur noch E-Bike zu fahren oder das Auto aus Kostengründen einfach loswerden möchte.

In diesem Fall kann man sich sicherlich darauf berufen, dass einem der Arbeitgeber das Arbeitsmittel „Fahrzeug“ nicht zur Verfügung stellt und einen trotzdem entlohnen muss, da man ja nichts dafür kann, dass man nicht zu den Kunden fahren kann. Wenn im Büro der Computer kaputt geht, ist es ja auch das Problem des Arbeitgebers, nicht mein eigenes, wenn ich 8 Stunden nichts tun kann. Ist man unbefristet angestellt, kann einen der Arbeitgeber vermutlich auch nicht einfach  wegen des Nicht-Vorhandenseins eines privaten Fahrzeugs kündigen, solange man seine Arbeitskraft anbietet und morgens im Betrieb erscheint.

 

Warum sollte man auf die Nutzung eines Privatfahrzeugs nach Möglichkeit komplett verzichten?

Folgende Punkte sollten im Vorfeld genauestens betrachtet werden, ehe man dem Arbeitgeber die Nutzung des eigenen Fahrzeugs zusagt:

  • Was ist bei einem Unfall? Wer zahlt den Schaden oder die Eigenbeteiligung?
  • Gilt die eigene Kfz-Versicherung überhaupt? Immerhin gibt man bei Abschluss der Kfz-Versicherung im Regelfall an, dass diese normalerweise nur privat und nicht gewerblich genutzt wird. Wenn man zu viel für den Arbeitgeber fährt, könnte es theoretisch problematisch sein, da dies eventuell einer gewerblichen Nutzung zugeordnet werden könnte.
  • Was ist wenn man eine Panne hat? Das ist dann ja auch Arbeitszeit, oder nicht? Wenn der Wagen dann auch am nächsten Tag nicht zur Verfügung steht, ist das dann auch noch Arbeitszeit und man muss nicht im Betrieb erscheinen?
  • Was ist mit der der höheren km-Laufleistung für die Versicherung?
  • Ist ein Personenbeförderungsschein nötig, sollte man eventuell einen Arbeitskollegen oder einen Kunden im Fahrzeug mitnehmen wollen?

 

Mit einem Neuwagen sollte man solche Späße am besten komplett unterlassen. Denn jede eigentlich unnötige Fahrt die man vermeidet ist gut, um das Risiko eines Unfalls mit dem noch neuwertigen Auto gering zu halten.

Wenn man natürlich eine „abgeranzte“ Gurke fährt, wie sie der Pizzalieferant um die Ecke nutzt, muss man für sich selber überlegen, ob man dieses Auto dafür nutzen möchte. Oder falls man das Auto an sich schon „abgeschrieben“ hat, kann das natürlich Sinn machen, wenn der Restwert eh nicht mehr nennenswert ist und der Sprit im Auto mehr wert ist, als das Auto. Allerdings sollte man dann damit rechnen, dass der Arbeitgeber es dann als normal ansieht, dass man sein Privatfahrzeug verwendet. Das sollte man am besten von Anfang an verhindern. 

Fazit

Von Arbeitgebern, die bereits im Stellenangebot die Nutzung eines Privatfahrzeugs voraussetzen, sollte man meistens direkt die Finger lassen. Wenn man für Fahrten zu Kunden nicht einmal ein Firmenfahrzeug gestellt bekommt, kann man sich hier schon die Frage stellen, wie langfristig das ganze wohl sein wird. Spätestens bei Problemen mit dem eigenen Auto wird es hier vermutlich sowieso zu einem Streit kommen. Auch wenn es einem gerade in der Probezeit schwer fallen sollte, sollte man sich für die Nachfrage des Arbeitgebers, ob man Fahrten für Firmenzwecke übernehmen kann,  folgende Gegenfrage angewöhnen: „Gerne, welches Firmen-Fahrzeug soll ich dafür nehmen?“ – Bei der Bitte den Privatwagen zu nutzen, sollte man dann einfach konsequent „Nein“ sagen. 

 

Spaß-Tipp:

Wer eigentlich keine Lust hat zu arbeiten, könnte natürlich z. B. bei einem solchen Pflegedienst anfangen und sich nach der Probezeit bei einer hoffentlich unbefristeten Anstellung den Spaß machen und sein Auto wegen eines Schadens, den man nicht reparieren lassen möchte, oder weil man es selber nicht dauerhaft benötigt und einem Verwandten ausleiht oder dergleichen, einfach nicht mehr für die Arbeit nutzen und schauen wie der Arbeitgeber reagiert 😀
Aber bitte nur, wenn man gekündigt werden will und alle Konsequenzen tragen kann!