Nat├╝rlich ist es erstmal f├╝r den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer verlockend, das private Handy auch f├╝r die Arbeit zu nutzen. Schlie├člich hat man es immer dabei, es ist vertraut, man kennt sich damit gut aus und man muss sich nicht auch noch um ein weiteres Ger├Ąt k├╝mmern. Es spart somit auch ordentlich Geld f├╝r den Arbeitgeber. Doch es gibt einige gute Gr├╝nde, warum man sein privates Handy besser nicht f├╝r die Arbeit verwenden sollte. Die folgenden Situationen zeigen dies ganz deutlich.

 

 

Der Chef m├Âchte beispielsweise, dass Sie eine App auf Ihrem privaten Smartphone installieren oder Team-Absprachen per WhatsApp vornehmen? Das mag nicht immer aus b├Âswilliger Absicht geschehen, aber die Vermischung von privat und beruflich gef├Ąllt aus gutem Grund nicht jedem. Rechtlich gesehen, brauchen Sie einer solchen Anweisung auch nicht Folge zu leisten. Es handelt sich um das private Eigentum und da darf kein Arbeitgeber Anspr├╝che stellen. Genau daf├╝r gibt es ja sogenannte Firmen-Handys. In diesem Artikel f├╝hre ich alle mir bekannten Gr├╝nde auf, wieso man also sein privates Handy blo├č nicht f├╝r die Arbeit nutzen und wieso auch der Arbeitgeber davon Abstand nehmen sollte.

Kundenkommunikation mit privatem Telefon?

In meiner beruflichen Laufbahn habe ich es tats├Ąchlich schon mitbekommen, dass ein Mitarbeiter die gesamte Kommunikation mit den Kunden f├╝r den Arbeitgeber ├╝ber sein privates Handy abwickeln sollte.┬á Dies hat er leider auch aus “Nettigkeit” getan. Eine ganz bl├Âde Idee, meiner Meinung nach. Denn auch wenn man die Kosten f├╝r die Handy-Nutzung sogar zum Teil von der Steuer absetzen kann und es recht g├╝nstige Flatrate-Tarife gibt, verst├Â├čt man mit einer gr├Â├čtenteils gewerblichen Nutzung eventuell gegen den Vertrag mit dem Anbieter. Dies wird wohl meistens keine Folgen haben, sollte man aber bei einem Privat-Vertrag im Kopf behalten. Die K├╝ndigung kommt sonst schneller ins Haus geflattert, als einem lieb ist.┬á Wer damit vielleicht auch andere Ger├Ąte im gleichen Vertrag hat, steht dann erstmal doof da.

Wichtiger sind aber noch die Probleme bzgl. der Vermischung privater und gesch├Ąftlicher Kommunikation. Abends einfach das Diensthandy auszumachen, ist so nicht m├Âglich, wenn man f├╝r Angeh├Ârige und Freunde erreichbar sein m├Âchte. Man k├Ânnte nat├╝rlich hier auf eine L├Âsung mit Dualer-Sim zur├╝ckgreifen, aber hier ist die Gefahr gro├č, dass man dann unter der falschen Nummer einem Kunden schreibt oder ├Ąhnliche ungute Dinge passieren.

Wenn man au├čerdem das private Handy f├╝r die Arbeit nutzt, gibt man dem Arbeitgeber m├Âglicherweise Zugriff auf seine pers├Ânliche Daten, Bilder und Kommunikationen, die man lieber f├╝r sich behalten m├Âchte. Zudem kann es passieren, dass der Arbeitgeber das Handy aus Gr├╝nden des Datenschutzes oder zur Dokumentation von Arbeitszeiten ├╝berwacht. Auf einem privaten Handy ist dies selbstverst├Ąndlich auch ein Eingriff in sein Privatleben.

Das gleiche Problem hat man ├╝brigens auch, wenn man das private Fahrzeug f├╝r den Arbeitgeber nutzen soll. Alles dazu erfahrt Ihr aber in einem weiteren Artikel.

 

Ist die Nutzung des privaten Handys f├╝r den Arbeitgeber noch DSGVO-Konform?

Ein weiterer Nachteil ist die mangelhafte Sicherheit. Besonders privat genutzte Handys sind weniger gut gesch├╝tzt als Firmen-Handys, da sie deutlich seltener auf dem neuesten Stand der Technik sind und dementsprechend auch unregelm├Ą├čiger Sicherheitsupdates erhalten. Wenn man dann sensible Unternehmensdaten auf einem unsicheren Ger├Ąt speichert, kann dies zu Datenverlust oder Datendiebstahl f├╝hren. Dies alleine sollte daher f├╝r den Arbeitgeber Grund genug sein, direkt Firmen-Handys zur Verf├╝gung zu stellen und auf die berufliche Nutzung von privaten Handys zu verzichten.

Da Sie das Handy ja auch privat nutzen, ist es sicherlich m├Âglich, dass Sie auch mal versehentlich mit sch├Ądlicher Software in Ber├╝hrung┬á kommen oder sich eine eher unseri├Âse App herunterladen. Der Datenschutz wird somit nicht ohne Missachtung der strengen DSGVO-Regeln auskommen k├Ânnen, zumal diese auch besondere Sicherheitsma├čnahmen bedeuten w├╝rden, f├╝r die es spezielle Apps und Software geben muss, die sehr kostenintensiv sein k├Ânnen, wenn man sie beispielsweise f├╝r verschiedene Smartphone-Typen und Generationen auslegen lassen muss.

Ebenfalls ist es interessant in Bezug auf Datenschutz und in solchen Belangen zu wissen, was eigentlich beim Verlassen des Unternehmens geschieht. Es ist Ihre private eigene Rufnummer und vermutlich haben Sie auch alle beruflichen Kontakte auf Ihrem privaten Handy abgespeichert und werden diese “mitnehmen”. Eigentlich ein klarer Nachteil f├╝r den Arbeitgeber. Dass Sie Ihre Rufnummer abgeben und das Handy inkl. der Daten da lassen, kann er schlie├člich nicht verlangen. Sind Sie beispielsweise im Vertrieb t├Ątig, nehmen Sie wohl leider alle Kunden gleich mit, wenn Sie das Unternehmen verlassen. Vertraglich kann man nat├╝rlich die “Nutzung” dieser Kontaktdaten unterbinden, aber wenn Sie nicht mehr Teil des Unternehmens sind, ist es sehr schwierig, dies auch zu kontrollieren.


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WhatsApp zur Kommunikation mit Kollegen und Chef?

Zur Abstimmung im Team sollen Sie sich WhatsApp installieren und der Teamgruppe beitreten? Das mag zwar recht einfach gehen und eine nette Idee sein, damit der Arbeitgeber kein Geld f├╝r Firmen-Handys oder andere Kommunikationsmittel ausgeben muss. Folge leisten muss man einer solchen “Anweisung” mit seinem privaten Handy aber nicht. Insbesondere ist das Ganze auch datenschutztechnisch nicht sauber. Ich pers├Ânlich bin auch einer solchen Gruppe beigetreten und man muss schon ziemlich vorsichtig sein, was man dann in seinem Status postet oder was auf den Profilbildern zu sehen ist. Es kann schnell zu heiklen Situationen kommen, besonders im Fall einer Krankschreibung oder ├Ąhnlichem.

Auch aufpassen sollte man, mit welchem Kollegen man seine private Nummer austauscht. Selbst wenn man sich mit jemandem privat gut versteht, kann es sein, dass man pl├Âtzlich zu beruflichen Fragen kontaktiert wird. Wer das nicht m├Âchte, sollte Freunde auf der Arbeit auch Freunde auf der Arbeit sein lassen und die Kommunikation nicht allzu sehr in die Freizeit holen. Ansonsten kann es passieren, dass man gefragt wird, was man eigentlich im Vergn├╝gungspark gemacht hat, als man “keine Zeit” hatte, die Schicht zu ├╝bernehmen. Eine unsch├Âne Ausgangslage, die auch innerhalb eines Teams auf der Arbeit zu Reibereien f├╝hren kann. Und zus├Ątzlichen Stress auf der Arbeit k├Ânnen wir alle nicht gebrauchen.

 

Muss ich die Corona-Warn-App installieren?

Man findet tats├Ąchlich sehr viele Beitr├Ąge im Netz dar├╝ber, dass Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern verlangt haben sollen, die Corona-Warn-App auf ihrem Mobiltelefon zu installieren. Aber auch das ist eine private und freie Entscheidung, selbst wenn es wohl in Bezug auf die Pandemie-Eind├Ąmmung Vorteile gebracht haben k├Ânnte. Wenn der Arbeitgeber diese App voraussetzen m├Âchte, dann muss er folglich auch ein Ger├Ąt daf├╝r zur Verf├╝gung stellen. Wir haben alle mitbekommen, dass besonders die Smartphones der ├Ąlteren Generationen eine solche App nicht unterst├╝tzen und niemand kann von Ihnen verlangen, dass Sie sich f├╝r die Arbeit ein neues Smartphone zulegen. Also lassen Sie sich auch nicht von netten Angeboten des Chefs locken, dass er dann f├╝r Sie die Mobilfunkrechnung ├╝bernehmen wird. Sie binden sich damit einen Klotz ans Bein und geben einiges an Privatsph├Ąre auf.

Stressfrei aus der Nummer rauskommen?

Man kann nat├╝rlich mit rechtlichen Schreiben und Gesetzestexten oder Ausdrucken von Anwaltsseiten beim Chef aufschlagen. Wenn man ansonsten keinen ├ärger auf der Arbeit hat und wegen dieser einen Sache auch keine Streitereien anfangen m├Âchte, kann man sich aber auch m├Âglichst defensiv aus dieser Sache herausziehen:

  • Soll man beispielsweise mit seinem privaten Handy gesch├Ąftlich telefonieren, so sagt man einfach, dass man keine Flatrate hat.
  • M├Âchte der Arbeitgeber, dass irgendeine spezielle App installiert wird, kann man sagen, man h├Ątte ein so altes Handy, dass man dort gar keine Apps installieren kann.
  • Wird verlangt, dass man beispielsweise WhatsApp nutzt, sagt man, dass man generell keine Messenger-Apps auf dem Handy nutzt.

Ist man schon “gefangen” und Mitglied einer Gruppe oder der Chef hat einen als Kontakt, kann einem auch keiner verbieten, alles stumm zu schalten und diese zu blockieren. Auf Nachfragen, warum man nicht reagiert hat, kann man einfach sagen, dass WhatsApp nicht mehr funktioniert und man es nicht mehr nutzt oder man zuhause das Handy eh nicht mehr nutzt und seine Zeit sinnvoller verbringt.

Hat man ein sehr gutes Verh├Ąltnis zu seinem Arbeitgeber, dann kann man selbstverst├Ąndlich auch einfach mit der Wahrheit rausr├╝cken und sagen, dass die Trennung von Arbeit und Freizeit somit nicht mehr gewahrt werden kann. Wenn man das gleiche Ger├Ąt f├╝r beides verwendet, kann es eben sehr schwierig werden, klar zwischen Arbeitszeit und Freizeit zu unterscheiden. Es kann zu einer ├ťberlastung und damit zu einer Beeintr├Ąchtigung der Leistungsf├Ąhigkeit f├╝hren, wenn man st├Ąndig erreichbar ist und auch au├čerhalb der Arbeitszeiten mit Arbeitsanfragen bombardiert wird. Dem Arbeitgeber sollte dies daher ein Anliegen sein, darauf R├╝cksicht zu nehmen und seine Angestellten nicht zus├Ątzlich zu belasten.

Muss ich meinem Arbeitgeber eine Telefonnummer mitteilen?

Vermutlich macht es Sinn, dem Arbeitgeber eine aktuelle Telefonnummer mitzuteilen, damit dieser einen bei irgendwelchen Unklarheiten oder z. B. im Krankheitsfall kontaktieren kann. Allerdings wei├č man nur zu gut, wie es tats├Ąchlich laufen kann. Man hat einen freien Tag und dem Chef f├Ąllt ein, dass er noch etwas fragen muss und er holt sich aus der Personalabteilung die private Nummer und ruft einen wirklich an! Das ist nicht selten und ist schon des ├ľfteren bei mir und im Freundeskreis oder bei Verwandten passiert.

So kam es vor, dass bei einem Familienmitglied der Arbeitgeber den neuen Dienstplan auf die Mailbox gesprochen hatte, obwohl eine Krankschreibung vorlag.

Bei einem ehemaligen Kollegen ging es sogar so weit, dass er sich ein zweites privates Handy besorgen musste, damit er zumindest weiterhin f├╝r die Familie erreichbar sein konnte, ohne sofort vom Arbeitgeber gest├Ârt zu werden, sobald dieser gesehen hatte, dass man online war. Ob er das f├╝r eine gesch├Ąftliche Nachfrage w├Ąhrend eines freien Tages darf oder nicht, soll hier gar nicht das Kernthema sein. Fakt ist, dass es wohl den meisten Arbeitnehmern sauer aufsto├čen wird.

Welche Rufnummer teile ich dem Arbeitgeber mit?

Wenn man also irgendwann mal eine neue Telefonnummer bekommen hat und diese seinem Arbeitgeber “vergessen” hat mitzuteilen, dann ist das keine b├Âswillige Absicht. Mein Mann hat nach der Abmeldung unserer alten Festnetznummer auch nicht die neue Nummer bei seinem alten Arbeitgeber angegeben. Wenn man darauf angesprochen wird, kann man sich daf├╝r entschuldigen und z. B. eine der ungenutzten Nummern, die man eventuell vom Telefonanbieter bekommt angeben, um auch weiterhin nicht genervt zu werden. Dies hat den Vorteil, dass man sich f├╝r diese Nummer auch ansehen kann, ob man angerufen wurde. Wer keine weiteren gratis Rufnummern hat, kann sich sogar bei Dienstleistern wie Fonial kostenlos Rufnummern sichern. Wenn man die Anrufe auch gar nicht entgegennehmen m├Âchte, braucht man bei diesen auch nichts gro├čartig zu konfigurieren.

Erreichbarkeit in der Bewerbungsphase

F├╝r einen Bewerbungsprozess kann es durchaus Sinn machen, sich eine solche Extra-Nummer zu nehmen oder sich eine Prepaid-Karte zu holen, um die Nummer nach erfolgreichem Bewerben wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen. Je nachdem, mit wem man alles Kontakt hatte, kann man hierdurch auch unn├Âtig gewordene Anrufe von Recruitern wieder los werden. Nicht selten schieben diese sich ja auch untereinander mal Nummern zu, um sich Provisionen zu sichern.

Fazit

Um also die sensible Privatsph├Ąre zu sch├╝tzen, die eigene Work-Life-Balance zu wahren und die Sicherheit von Unternehmensdaten zu gew├Ąhrleisten, ist es ratsam, das private Handy NICHT f├╝r die Arbeit zu nutzen. Stattdessen sollte man auf ein Firmen-Handy oder einen separaten Arbeits-Laptop zur├╝ckzugreifen und darauf┬á bestehen, soll man f├╝r den Arbeitgeber und Kunden erreichbar sein. Auf diese Weise kann man sicher sein, dass man gut gesch├╝tzt und abgekapselt von der Arbeit ist, wenn man sich im Privatleben befindet. Ebenso kann sich der Arbeitgeber besser f├╝hlen, wenn er wei├č, dass seine wichtigen Kundendaten nicht auf privaten Handys seiner Angestellten verteilt rumliegen.