Wer kennt es nicht, dass man plötzlich eine chronische Krankheit hat oder eine Erkrankung so stark gewesen ist, dass sich das Immunsystem nicht wieder richtig erholen kann.

Mir ist leider letzteres passiert und ich wurde häufig krank. Erst mit einer saftigen Stimmbandentzündung, die sich 3 Wochen lang hielt, dann schlug das ganze auf den Kehlkopf, da man sich nicht richtig auskuriert hatte. Man wollte ja schnell wieder fit sein für die Arbeit. Das kann aber auch nach hinten los gehen, wie ich leider feststellen musste. Mein Immunsystem war deswegen so stark geschwächt, dass ich jede leichte Erkältung direkt abbekommen hatte. Und wenn  man dann auch noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Ausbildung oder Berufsschule fährt, dann kein Wunder.

Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen gehabt und habe direkt das Gespräch mit meiner Ausbildungsleiterin gesucht. Sie hatte mir versichert, dass ich mir keine Sorgen machen müsste. Wenn man krank ist, dann ist man nun einmal krank.

Ein bisschen beruhigt hatte mich das ganze schon, aber dennoch fühlte man sich „beobachtet“. Und so kam es leider auch dann einmal dazu, dass ich mir eine schlimme Verletzung am Knie zugezogen hatte und deswegen 6 Wochen lang so gut wie gar nicht laufen konnte. Die Krankenkasse konnte einem kein Taxidienst finanzieren und ich erst recht nicht. Also saß ich Zuhause fest, unfähig mich zur Arbeit zu begeben und bin fast verzweifelt. Dann musste man auch noch mit dem bisschen Krankengeld auskommen und bekam ständig zu hören: „Das kann doch nicht so schlimm sein. Es gibt auch Krücken!“
Ja, Krücken habe ich mir für 5€ Zuzahlungsgebühr geleistet, kein Problem. Aber ich konnte ohne Schmerzmittel nicht einmal stehen und hatte auch keine Ahnung, wie ich mein Bein halten sollte, denn leider ist das Knie die Verbindung zwischen Ober- und Unterschenkel.

Also habe ich es nach vielem Üben zu Hause irgendwann geschafft, mich mit großen Schmerzen wieder zur Arbeit zu schleppen. Ein paar Mitarbeiter hatten Verständnis, der Großteil jedoch nicht und so plagten einem zu dem schlechten Gewissen das man hatte, auch noch die Blicke der Kolleginnen und Kollegen.

Ich habe dann nochmal das Gespräch mit meiner Ausbildungsleiterin gesucht und ihr offen und ehrlich erklärt, wie es mir gesundheitlich momentan ging und dass die Ärzte nichts chronisches feststellen konnten. Sie hat mich wieder beruhigt und gesagt, dass wir uns da nochmal zusammensetzten können, eventuell könnten sie mir ja irgendeine Unterstützung bieten. Darüber war ich sehr froh und auch glücklich, dass man mich anscheinend verstanden hatte.

Nun, klingt ja alles nicht so schlimm, oder?
Tja, ich hatte mich leider zu früh gefreut, denn nicht ganz 3 Tage später hatte mich die Personalchefin um ein Gespräch gebeten und ich bin natürlich zu ihr ins Büro. Dort saß auch meine Ausbildungsleiterin und ein Umschlag lag auf dem Tisch…

…man wollte mich bitten, im Sinne der Firma, doch folgendes Dokument zu unterschreiben: Einen Aufhebungsvertrag!

Für mich ist in diesem Moment eine Welt zusammengebrochen. Ich bin ja schließlich nicht freiwillig so krank geworden und habe mir die Verletzung auch nicht absichtlich zugefügt. Aber man hatte kein Vertrauen mehr in mich, ich sollte doch eventuell mal eine Kur machen und mich eventuell dann irgendwann wieder bei einer anderen Ausbildungsstätte bewerben.

Ich habe instinktiv das Richtige gemacht: NICHT unterschrieben!

In diesem Moment habe ich mich etwas „verar…t“ gefühlt und wollte nur noch weg. Natürlich musste ich erstmal heulen wie ein Kleinkind. Meine Mitauszubildende (und Freundin) hatte mich getröstet und gemeinsam haben wir überlegt, was ich machen sollte. Ich habe mich dann unserem Ausbildungssprecher anvertraut und gemeinsam sind wir zu unserem Betriebsrat hin. Zum Glück war man hier auf meiner Seite und hat mir ebenfalls empfohlen, nicht zu unterschreiben. Mir wurde quasi geraten, nichts zu tun und einfach meine Ausbildung weiter zu machen. Das habe ich dann auch so durchgezogen.

Tatsächlich kann man wegen Krankheit gekündigt werden, aber dies ist ziemlich schwer, muss begründet sein und wenn  man sich immer einen Attest vom Arzt geben lässt und versucht, nicht bei jedem Schnupfen direkt zu Hause zu bleiben, dann wird das fast unmöglich für den Arbeitgeber bzw. dem Ausbildungsbetrieb. Natürlich darf man nicht sehr lange krank geschrieben beleiben, dann verständlicherweise brauch ein Betrieb Mitarbeiter, die mitarbeiten.

Ich habe meinem Betrieb immer gesagt, weshalb ich krank bin, aber das müsst ihr nicht. Dies geht nämlich niemanden etwas an und es ist eure Entscheidung, ob ihr das sagen möchtet oder nicht!

Also passt gut auf euch auf und gebt eurem Arbeitgeber bzw. Ausbildungsbetrieb nicht zu viel Schießpulver 😉