„Du musst unbedingt das Abitur machen!“
„Suche dir lieber einen guten Ausbildungsplatz!“
„Nur Studieren ist der richtige Weg ins Berufsleben!“

Es gibt sehr unterschiedliche Meinungen darüber, wie man sein Berufsleben starten sollte und auch in jeder Familie gibt es andere Werte und Normen, die vermittelt werden. Aber welche Qualifikationen bringen einem wirklich etwas im späteren Berufsleben weiter? Sollte man ein Studium absolvieren oder doch eher eine Ausbildung und wie sinnvoll ist das Abitur eigentlich noch?

Ich kann natürlich nur für mich sprechen und meine Erfahrungen mit euch teilen, dass heißt aber nicht, dass ihr plötzlich euer Studium hinwerfen oder die Schule vorschnell beenden sollt. Dies entscheidet bitte ganz alleine für euch und nach reichlicher Überlegung.

Auf dem Gymnasium in der 12. Klasse damals wurden meine Noten leider immer schlechter und auch die Motivation verschwand, als man uns mit den jüngeren Abiturienten, die ihr Abitur um ein Jahr verkürzt hatten, zusammensteckte.
Nach einer ausführlichen Beratung erfuhr ich dann, dass ich nach der 11. Klasse auf dem Gymnasium bereits den theoretischen Teil für das Fach-Abitur in der Tasche habe und nur im Anschluss eine Ausbildung abschließen müsse, damit ich auch den praktischen Teil erwerben kann. Für mich war klar, dass ich das Abitur nicht mit guten Noten bestehen kann und die Gefahr bestand, dass ich die 12. Klasse wiederholen müsse, somit entschied ich mich dafür, die Schule zu beenden und direkt eine Ausbildung zu suchen. Studieren wollte ich nämlich nicht mehr, da mir da viel zu viel Zeit ins Land strich: Meinen Kindheitstraum von einer Gerichtsmedizinerkarriere habe ich somit leider nicht verwirklicht und der Grund dafür ist leider die viel zu kostbare Lebenszeit. Ein Studium in der Gerichtsmedizin dauert nämlich mindestens 12  Semester, also 6 Jahre!!!

Danach folgt in der Regel eine fünfjährige Weiterbildung zum Rechts-oder Gerichtsmediziner. Tja und wenn ihr das dann alles so geschafft habt, dann verdient ihr durchschnittlich ca. 3.500 Brutto im Monat. Und auch in anderen Ländern sieht es hier nicht besser aus. Das traurige daran ist, dass ihr so viel Zeit, Kraft und Energie in diese Bildung legt, aber es sich am Ende gar nicht wirklich lohnt. Die Absprungrate in diesem Studiengang liegt daher bei fast bei 98 %. Mit Ende 30 oder Anfang 40 seid ihr dann endlich fertig ausgebildet und könntet richtig Geld verdienen. Doch was ist mit der Familienplanung?

Ich habe realistischerweise für mich einen anderen Weg eingeschlagen und mir daher eine Ausbildungsstelle gesucht. Als fertig ausgebildete Kauffrau für Bürokommunikation kann ich jedoch sagen, dass mir auch die Ausbildung nicht viele neue Erkenntnisse oder gar Fähigkeiten gebracht hat. 85% des in der Ausbildung notwendigen Wissens haben ich vorab bereits in der Schule gelernt, bzw. mit in der Zwischenzeit selbst beigebracht, sodass ich trotz einer langen Fehlzeit den Ausbildungsinhalt ohne Einbuße mitbekommen habe. Im Grunde reicht es auch vollkommen aus, wenn man sich vorab mit der Fragestellung von IHK-Prüfungen auseinander setzt und alte Prüfungen durchgeht. Danach lässt sich ein Muster erkennen und man kann sich hervorragend darauf vorbereiten. Der Inhalt in den Berufsschulen reicht nämlich nur dürftig aus, um die Prüfungen zu bestehen.

Euer Abschluss sagt also auch recht wenig über eure tatsächlichen Fähigkeiten aus. Man kann immer einen schlechten Moment im Leben haben, wo man sich auch einfach nicht auf banale Dinge wie irgendeinen Abschluss konzentrieren kann und schon versaut man sich seinen Durchschnitt. Glücklicherweise stellen viele Firmen mittlerweile Ihre Azubis oder Angestellten nach bestimmten „Wunscheigenschaften“ ein, weshalb ein Abschluss zweitrangig wird.

Bei einem meiner alten Arbeitgeber war das die Tatsache, dass ich während meiner Schulzeit nebenbei in einem Callcenter für ein Versandhaus gearbeitet habe und somit schon Erfahrung im Umgang mit Kunden am Telefon nachweisen konnte. Diese Fähigkeit habe ich in meiner ganzen Ausbildungszeit nicht erlernt, sondern einfach durch Erfahrung bereits vorher aufgebaut. Andere Firmen im Bekanntenkreis haben tatsächlich für neue Azubis festgelegt, dass diese unbedingt einen Führerschein haben sollten. Auf dem Dorf ist das auch fast bei jedem Jugendlichen so, dass mit 18 Jahren auch direkt der Führerschein gemacht wurde, jedoch kann sich nicht jeder diesen bereits zur Schulzeit leisten, sondern erst durchs Ansparen vom Ausbildungsgehalt. Wenn man diese jedoch ohne Führerschein nicht beginnen kann, sieht es eher unschön für die Zukunft aus.

Mein Fazit:

Spätestens nach eurem ersten Arbeitgeber fragt euch niemand mehr nach irgendeinem Abschluss und es zählen nur noch die Fähigkeiten, die Ihr bereits beherrscht oder erwerben könnt. Wie gut euer Abitur gewesen ist oder wie viele Semester lang euer Studium war, das wird plötzlich ganz nebensächlich und schmückt nur noch die sonst leeren Zeilen in eurem Lebenslauf.

Mein Tipp ist daher: Konzentriert euch auf eure Stärken, arbeitet diese aus und werdet Profis in den Dingen, die euch eh schon liegen, dann könnt ihr auch einen guten Job machen und es interessiert niemanden mehr, ob Ihr darüber eine Qualifikation habt oder nicht.